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Fußball oder Geldgewinn? Entscheidungsprinzipien sind immer gleich

Führung weiter gedacht
Entscheidungsprinzipien

Egoistische (Spieler-)Naturen – ob im Fußball, Black Jack oder dem ganz normalen Leben, ticken, so meint man, doch immer gleich: Sie wollen das Spiel für sich entscheiden, den Punkt für sich holen, das Ergebnis auf die eigene Person beziehen. Falsch gedacht: So wie stark leistungsorientierte Menschen den Maßstab an sich selbst weniger in extrem schwierigen oder einfachen Situationen legen, sondern vielmehr im (Mittel-)Feld der größten Konkurrenz, so liegt auch der Anspruch egoistischer und von sich selbst überzeugter Spieler auf dem Fußballfeld weniger darin, möglichst viele Tore zu erzielen, – was als selbstverständlich und damit eher uninteressant vorausgesetzt wird. Ganz im Gegenteil suchen diese Typen eher den Kitzel durch unerwartete und komplexere Spielkonstellationen. Aus Toren, die nach Pässen zu Mitspielern erzielt werden, resultieren daher deutlich stärkere Belohnungsgefühle und positive Lernaktivitäten.

 

Entscheidungsprinzipien – Eine Frage der Anreize?

Welche Situationen belohnender und damit reizvoller für den einzelnen Spieler sind – also der direkte eigene Angriff oder der erfolgversprechende Pass zum Teamkollegen – und inwieweit dieses Verhalten sich auf andere Entscheidungskontexte übertragen lässt, haben Forscher vom Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn mit ihren Kollegen vom Uniklinikum Bonn und dem Life&Brain Zentrum herausgefunden und im Fachjournal „PLOS ONE“ publiziert (http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0122798).

Die Ergebnisse sind eindrucksvoll: Lernen und Reflexion wirken gleichermaßen als Lustgewinn des Gehirns und – dies wurde durch ein Vergleichsexperiment bestätigt – wir ticken in höchst unterschiedlichen Situationen in Bezug auf unsere Entscheidungslogik grundsätzlich gleich. Dabei sind die Belohnungserwartungen gar nicht ausschließlich auf den für die eigene Person zu beanspruchenden Gewinn fokussiert, sondern vielmehr auf die Qualität der jeweiligen Handlungs- bzw. Entscheidungssituation. Eine zu erwartende Belohnung aktiviert, das zeigt die Visualisierung mittels Magnetresonanztomografie, bestimmte neuronale Regionen wie das sogenannte ventrale Striatum). Ob wir dabei Fußball spielen, beim Poker eine Glücksträhne erwischen, einen neuen Kunden erfolgreich akquiriert haben oder eine Prämie für unsere Leistungen erhalten, ist unserem Gehirn dabei schlicht egal.

Unternehmerische Anreize zu setzen, wird damit nicht grundsätzlich falsch. Es wird aber – wieder einmal – deutlicher, dass diese nur dann motivieren, wenn eine selbst reflektierte Verantwortlichkeit und Entscheidungsfähigkeit in einem als bedeutsam und sinnvoll erlebten Kontext damit verbunden sind. Und für die Fußballer unter uns bedeutet dies – das muss von einem Nicht-Fußballfan hiermit neidlos anerkannt werden – wohl auch eine Bestätigung der immer wieder beschworenen besonderen Intelligenz ihres Spiels.

 

19. April 2015/von Anja Ebert-Steinhübel
https://ungedachtes-denkbar-machen.de/wp-content/uploads/2015/05/fussballspieler_1431441142.jpg 866 1280 Anja Ebert-Steinhübel https://ungedachtes-denkbar-machen.de/wp-content/uploads/2024/02/ungedachtes-Schriftzug-300x82.png Anja Ebert-Steinhübel2015-04-19 15:49:572025-06-11 11:22:01Fußball oder Geldgewinn? Entscheidungsprinzipien sind immer gleich

Alles neuro (2): Warum uns Wettbewerb klüger macht – oder auch nicht.

Führung weiter gedacht
Neurowissenschaften

Ein Experiment mit Fruchtfliegen (aus dem Biologie-Unterricht vielleicht noch bekannt als Drosophila melanogaster) hat es gezeigt: Im künstlich erzeugten oder unterdrückten  Wettbewerb um paarungswillige Weibchen nimmt bei den konkurrenzlos agierenden Männchen die Lernfähigkeit deutlich ab. Und dies im Langzeitvergleich über 100 Fliegengenerationen hinweg. Muss daraus also gefolgert werden, dass monopolistische Strukturen dümmere Verhaltensreaktionen mit sich bringen und umgekehrt Wettbewerbssituationen eine größere Klugheit nach sich ziehen?

 

Das Gehirn IST Realität, wir SIND unser Gehirn

Das Beispiel macht das Dilemma der populären Neurowissenschaften offenbar: Aus Beschreibungen werden Begründungen abgeleitet, aus Ist-Analysen resultiert (vermeintliches) Verstehen. Das Gehirn IST Realität, wir SIND unser Gehirn, da sich alle bewussten und unbewussten Erkenntnisse (und Lernen bedeutet eben dies: die Verarbeitung von Erfahrungen in Wissen und neuen Handlungspotenzialen) letztlich auf physikalische und chemische Zustandsveränderungen in unseren Köpfen zurückführen lassen. Oder, wie dies der prominente Neurowissenschaftler Gerhard Roth formuliert: Unser Bewusstsein, also unser Wissen, dass und wie, wer oder was wir dabei sind, ist lediglich ein „emergenter Zustand“ eines hyperkomplexen, sich selbst immer wieder neu erfindenden Systems. Es bleibt weiter spannend, die Vielfalt der Neuroprozesse und -funktionen zu entdecken und räumlich und inhaltlich zuordnen zu können. Dennoch sind die Ableitungen aus diesem Wissen häufig falsch, weil schlicht zu trivial. Das Fliegenexperiment zeigte im Übrigen auch ähnliche Lernfortschritte bei den Weibchen, obwohl diese von der Konkurrenzsituation gar nicht tangiert waren. Sind Frauen also generell klüger als Männer? Nein, urteilten die (männlichen)Wissenschaftler: Sie waren dieser nur später, nämlich im Kampf um den Eiablageplatz mit ihren eigenen Geschlechtsgenossinnen, ausgesetzt.

Festzuhalten bleibt: Wir sind also nicht(s) ohne unser Gehirn, – doch ist unser Gehirn auch nicht etwas ohne uns.  Unsere Motivation – nicht nur zum Lernen – wird im Gehirn zunächst unbewusst durch den Dopamin ausschüttenden und uns dadurch in einen euphorischen Zustand versetzenden Nucleus accumbens gesteuert. – In diesem Sinne: denken Sie einfach weiter und freuen Sie sich über jede neue Herausforderung, denn das hält Ihre Lernfähigkeit auf Trab!

Ihre Anja Ebert-Steinhübel

3. März 2014/von Anja Ebert-Steinhübel
https://ungedachtes-denkbar-machen.de/wp-content/uploads/2016/08/gehirn_1472637334.png 773 1280 Anja Ebert-Steinhübel https://ungedachtes-denkbar-machen.de/wp-content/uploads/2024/02/ungedachtes-Schriftzug-300x82.png Anja Ebert-Steinhübel2014-03-03 09:11:282025-06-11 11:22:56Alles neuro (2): Warum uns Wettbewerb klüger macht – oder auch nicht.
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